Die BUND-Kreisgruppe Rhein-Hunsrück traf sich Ende September am Vier-Seen-Blick in
Boppard mit Axel Henke, dem Leiter des Forstamts, um sich über die aktuellen
Herausforderungen der regionalen Wälder im Klimawandel auszutauschen. Schon der
erste Eindruck war ernüchternd: Am Hang unterhalb des Aussichtspunktes sind zahlreiche
Eichen abgestorben oder stark geschädigt.
Forstamtsleiter Henke erklärte die Ursachen: Die anhaltende Trockenheit in der
Vegetationsperiode macht den Eichen besonders zu schaffen. Wenn der Wassergehalt im
Boden nicht mehr ausreicht, schaffen es die Bäume nicht mehr, Wasser bis in die Krone zu
transportieren. Zunächst sterben die oberen Kronenbereiche ab, während der Baum
versucht, durch niedrigere Äste am Stamm weiterhin Photosynthese zu betreiben. Ganze
Hänge am Vier-Seen-Blick zeigen bereits ein Bild von toten und sterbenden Eichen. Ein
zusätzlicher Stressfaktor ist der Befall durch den Eichenprachtkäfer, der sich bevorzugt in
geschwächten Bäumen ansiedelt und deren Absterben beschleunigt.
Im anschließenden Gespräch im Forstamt wurde deutlich: Der Umbau des Waldes hin zu
klimaresilienteren Baumarten ist unumgänglich. Dabei sei allerdings Vorsicht geboten, um
keine fremden Schädlinge, Pilze oder Neophyten einzuschleppen. Deshalb wird bevorzugt
mit südländischem, Herkunftsgesichertem Saatgut gearbeitet, das in heimischen
Baumschulen herangezogen und anschließend als wurzelnackte Jungpflanze im Wald
ausgebracht wird.
Ein weiteres Thema waren die sogenannten CEF-Maßnahmen (Continuous Ecological
Functionality). Dabei handelt es sich um Ausgleichs- bzw. vorgezogene
Ausgleichsmaßnahmen, die sicherstellen sollen, dass die ökologische Funktionalität eines
Lebensraums auch während und nach einem Eingriff – etwa durch ein Bauvorhaben –
erhalten bleibt. Im Wald bedeutet das zum Beispiel, alte Fichtenbestände nach und nach
durch artenreiche Mischwälder zu ersetzen. Solche Projekte sind ein wichtiger Schritt, um
die Wälder ökologisch aufzuwerten, und bringen zugleich dringend benötigte Finanzmittel
für den Waldumbau selbst mit. Kritisch gesehen wurde jedoch, dass diese Maßnahmen oft
auf viele kleine Flächen/Einzelmaßnahmen verteilt sind. Wünschenswert wäre eine
stärkere Bündelung, um größere, zusammenhängende Lebensräume zu schaffen und so
nachhaltiger wirksam zu werden.
Henke betonte zudem die Bedeutung des Waldes für das lokale Mikroklima. Wälder wirken
temperaturausgleichend, speichern und bremsen den Wasserabfluss und sind
Rückzugsorte für viele Arten. Angesichts der bereits messbaren Erwärmung um etwa 1,7
°C im Rhein-Hunsrück-Kreis seit Beginn der Wetter-Aufzeichnungen wird diese Rolle noch
wichtiger.
Nach aktuellen Daten des europäischen Copernicus-Klimadienstes hat sich Europa in den
vergangenen Jahrzehnten etwa doppelt so schnell erwärmt wie der globale Durchschnitt.
Auch der Deutsche Wetterdienst (DWD) bestätigt einen deutlichen Trend: In Deutschland
ist die Durchschnittstemperatur seit 1881 bereits um rund 1,6 °C gestiegen, die fünf
wärmsten Jahre seit Beginn der Aufzeichnungen traten alle nach dem Jahr 2000 auf.
Diese Entwicklung zeigt sich auch im Mittelrheintal, das durch seine geschützte Tallage
besonders anfällig für Hitze und Trockenstress ist. Die zunehmende Zahl von Hitzetagen
und langen Trockenphasen setzt sowohl den Böden als auch den heimischen Baumarten
erheblich zu.
Rheinland-Pfalz strebt an, bis 2040 klimaneutral zu sein – zehn Jahre früher als die EU, die
bis 2050 Klimaneutralität erreichen will. Bereits bis 2030 sollen die Emissionen EU-weit um
mindestens 55 % gegenüber 1990 sinken. Für die Region bedeutet das: Der Wald muss
nicht nur als CO2-Senke dienen, sondern auch gezielt an die neuen klimatischen
Bedingungen angepasst werden.
Ein weiterer Punkt in der Diskussion war die Rolle der Jagd im Zusammenhang mit dem
Waldumbau. Das neue Jagdgesetz in Rheinland-Pfalz wird derzeit überarbeitet, mit dem
Anspruch, Waldschutz und Wildbestände stärker in Einklang zu bringen. In der Praxis zeigt
sich jedoch, dass die Regulierung der Wildbestände entscheidend ist, wenn junge Bäume
eine Chance haben sollen, nachzuwachsen und klimaresiliente Mischwälder zu bilden. Nur
wenn genügend Pflanzungen und Naturverjüngungen vor Wildverbiss geschützt werden,
können die Wälder langfristig stabilisiert und vielfältig werden. Hier ist eine enge
Zusammenarbeit von Forst, Waldbesitzenden Kommunen, Naturschutz und Jägerschaft
gefragt, damit die gesteckten Ziele auch tatsächlich erreicht werden.
Insgesamt war es ein sehr anregender Nachmittag, geprägt von offenem Austausch und
gegenseitigem Verständnis. BUND und Forstamt wollen künftig enger vernetzt bleiben, um
gemeinsame Lösungen im Sinne von Naturschutz und Waldentwicklung zu fördern.